
CHRISTEN UND DAS JÜDISCHE VOLK
Eine gemeinsame biblische Geschichte – und eine schwierige gemeinsame Vergangenheit
Christentum und Judentum sind historisch eng miteinander verbunden. Jesus – Yeshua – war Jude, seine ersten Jünger waren Juden, und der Tanach bildet das Fundament vieler Aussagen des Neuen Testaments.
Gleichzeitig entwickelte sich zwischen Kirche und jüdischem Volk im Laufe der Geschichte eine tiefe Trennung.
Wer heute über Christen und Juden spricht, sollte deshalb sowohl die gemeinsamen biblischen Wurzeln als auch die Unterschiede und die Geschichte dieser Beziehung kennen.
Bei Beit Or Ha'Chaim möchten wir zu einem respektvollen und ehrlichen Verständnis beitragen.
DER CHRISTLICHE GLAUBE HAT JÜDISCHE WURZELN
Die ersten Kapitel der Geschichte des christlichen Glaubens spielen vollständig innerhalb einer jüdischen Welt.
Yeshua lebte als Jude. Seine Jünger waren Juden. Die ersten Gemeinden entstanden in Jerusalem und im Umfeld des jüdischen Volkes.
Begriffe wie
Messias · Bund · Prophetie · Erlösung · Tora · Jerusalem · Pessach · Schabbat · Halleluja · Amen
stammen aus dieser Welt.
Christen begegnen dem jüdischen Erbe deshalb jedes Mal, wenn sie die Bibel lesen.
WARUM TRENNTEN SICH CHRISTENTUM UND JUDENTUM?
Die Trennung zwischen Judentum und Christentum geschah nicht an einem einzigen Tag.
In den ersten Jahrhunderten entwickelten sich zunehmend unterschiedliche Auffassungen über Yeshua, die Tora, die Identität des Messias und die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft Gottes.
Mit der Zeit entstanden daraus klar getrennte religiöse Traditionen.
Dadurch ging in großen Teilen des späteren Christentums zunehmend das Bewusstsein dafür verloren, wie stark der eigene Glaube ursprünglich mit dem jüdischen Volk und der Hebräischen Bibel verbunden war.
EINE SCHWIERIGE GESCHICHTE
Die Beziehung zwischen Christen und Juden war über viele Jahrhunderte auch von schweren Konflikten geprägt.
Jüdische Menschen wurden in christlich geprägten Gesellschaften immer wieder ausgegrenzt, verfolgt oder unter Druck gesetzt. Auch religiöse Vorstellungen wurden teilweise verwendet, um Feindseligkeit gegenüber Juden zu rechtfertigen.
Diese Geschichte sollte nicht verschwiegen werden.
Für Christen bedeutet die Beschäftigung mit dem jüdischen Volk deshalb auch, kritisch auf die eigene Geschichte zu schauen und Antisemitismus, Verachtung und religiöse Überheblichkeit klar abzulehnen.
SIND CHRISTENTUM UND JUDENTUM DASSELBE?
Nein.
Christentum und Judentum teilen wichtige biblische Wurzeln, haben sich aber zu unterschiedlichen Glaubenstraditionen entwickelt.
Der wichtigste Unterschied betrifft Yeshua.
Christen und messianische Gläubige erkennen ihn als Messias an. Das rabbinische Judentum erkennt diese Überzeugung nicht an.
Daneben bestehen Unterschiede in Fragen von Tora-Auslegung, Tradition, Gottesdienst, Messiaserwartung und theologischer Entwicklung.
Respekt bedeutet deshalb nicht, Unterschiede zu verschweigen.
Es bedeutet, sie ehrlich und ohne Feindseligkeit zu behandeln.
WAS VERBINDET CHRISTEN UND JUDEN?
Trotz der Unterschiede gibt es eine tiefe gemeinsame biblische Geschichte.
Dazu gehören unter anderem:
Abraham, Isaak und Jakob
Mose und die Tora
die Psalmen
die Propheten
Jerusalem
die Hoffnung auf Gottes Reich
der Glaube an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs
Auch viele Gebete, moralische Grundgedanken und biblische Erzählungen des Christentums haben ihren Ursprung in den Schriften Israels.
WARUM SOLLTEN CHRISTEN DAS JUDENTUM KENNENLERNEN?
Wer das Judentum ausschließlich durch spätere christliche Vorstellungen betrachtet, kann leicht ein verzerrtes Bild bekommen.
Das Kennenlernen jüdischer Geschichte, Tradition und Bibelauslegung kann helfen, den historischen Hintergrund vieler neutestamentlicher Texte besser zu verstehen.
Es hilft auch dabei, Yeshua und die ersten Jünger wieder stärker innerhalb ihrer tatsächlichen jüdischen Welt wahrzunehmen.
Dabei geht es nicht darum, alle jüdischen Traditionen automatisch zu übernehmen.
Es geht darum, zuzuhören, zu lernen und den historischen Kontext ernst zu nehmen.
MISSION, DIALOG UND RESPEKT
Die Frage nach Yeshua bleibt zwischen klassischem Judentum und messianischem Glauben ein grundlegender Unterschied.
Gerade deshalb ist ein respektvoller Umgang wichtig.
Bei Beit Or Ha'Chaim glauben wir an Yeshua als den Messias. Gleichzeitig lehnen wir Verachtung oder Feindseligkeit gegenüber Menschen ab, die diese Überzeugung nicht teilen.
Glaube sollte nicht durch Zwang, Herabsetzung oder Hass vermittelt werden.
Wir möchten über unsere Überzeugungen sprechen, die Bibel gemeinsam betrachten und Menschen die Freiheit lassen, selbst zu prüfen.
ANTISEMITISMUS HAT KEINEN PLATZ
Jüdische Menschen dürfen nicht für politische Ereignisse, religiöse Streitfragen oder jahrhundertealte Vorurteile verantwortlich gemacht werden.
Antisemitismus widerspricht einem respektvollen Umgang mit Menschen und ignoriert zugleich die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens.
Für Christen sollte es selbstverständlich sein, jüdisches Leben nicht mit Misstrauen oder Feindseligkeit zu betrachten.
Gerade wer die Bibel liebt, sollte sich bewusst machen, wie eng die eigene Glaubensgeschichte mit dem jüdischen Volk verbunden ist.
CHRISTEN UND JUDEN HEUTE
Heute gibt es weltweit zahlreiche Formen des jüdisch-christlichen Dialogs.
Manche Christen beschäftigen sich intensiv mit Israel und den jüdischen Wurzeln ihres Glaubens. Andere entdecken den jüdischen Hintergrund der Bibel erst neu.
Gleichzeitig existieren unterschiedliche theologische Auffassungen darüber, wie das Verhältnis zwischen Kirche, Israel und jüdischem Volk zu verstehen ist.
Bei Beit Or Ha'Chaim möchten wir dazu ermutigen, diese Fragen nicht nur aus Tradition zu beantworten, sondern Tanach und Neues Testament sorgfältig im Zusammenhang zu lesen.
BEIT OR HA'CHAIM – RESPEKT, BIBEL UND JÜDISCHE WURZELN
Beit Or Ha'Chaim ist eine messianisch-jüdische Gemeinschaft in Wien.
Wir glauben an Yeshua als Messias und beschäftigen uns zugleich intensiv mit dem jüdischen Hintergrund der Bibel, dem Tanach, Israel, Tora, Schabbat und den biblischen Festen.
Unser Anliegen ist kein Gegeneinander von Juden und Christen.
Wir möchten Menschen dazu einladen, die gemeinsame Geschichte kennenzulernen, Unterschiede ehrlich zu verstehen und die Bibel selbst zu prüfen.
Gemeinsame Wurzeln erkennen. Unterschiede respektieren. Die Bibel im Zusammenhang verstehen.
